Waldbaden – Entspannung für die gestresste Seele im Herbst

Vor über zehn Jahren habe ich schon mal etwas zum Thema Waldbaden (japanisch: Shinrin Yoku) geschrieben, über die gesundheitsförderne Wirkung des Waldes. Damals war es internationalen Wissenschaftlern gelungen, die Heilkraft des Waldes nachzuweisen. Die Methode wurde bereits in den 1980er Jahren in Japan entwickelt und ist mittlerweile durch die sog. internationale Waldmedizin wissenschaftlich belegt. Es handelt sich dabei sowohl um körperliche ebenso wie um psychische Effekte. Bereits ein Zeitraum von 10-20 Minuten reicht aus, um positive Veränderungen herbeizuführen, ein Aufenthalt von zwei bis drei Stunden ermöglicht die Entfaltung maximaler Wirkungen auf verschiedenen Ebenen unserer Gesundheit.

Körperliche Gesundheit

  • Immunsystem
    Die sog. Terpene, dass sind biochemische Botenstoffe, die Bäume über ihre Rinden und ihre Blätter verströmen, werden über die Haut genauso wie über die Atmung aufgenommen. Dadurch werden die natürlichen Killerzellen aktiviert, die uns gegen Infektionen und Krebs schützen. Dieser Effekt bezieht sich nicht nur auf den Besuch im Wald, sondern hält darüber hinaus je nach Dauer des Aufenthalts länger an.
  • Herz-Kreislaufsystem
    Blutdruck und Puls sinken im Wald messbar, dadurch wird das Herz-Kreislauf-System entlastet. 
  • Nervensystem
    Der Teil unseres Nervensystems, der für unsere Aktivierung zuständig ist und unter Stress auf Hochtouren arbeitet, nämlich der Sympathikus, wird im Wald runterreguliert. Der Parasympathikus hingegen, als Ruhenerv zuständig für Erholung, Regeneration und Verdauung, wird aktiviert. Dadurch entspannen wir uns merklich.

Mentale Gesundheit

  • Weniger Stresshormone: Die Konzentration von Cortisol genauso wie die von Adrenalin in Blut und Speichel sinkt beim Aufenthalt im Wald deutlich.
  • Schlaf: Die Entspannung des Nervensystems für zu besserer Schlafqualität und Verbesserung der Tiefschlafphase, wodurch wir erholter fühlen.
  • Reduktion von Ängsten und Depressionen könnten in Analysen bestätigt werden. Der Wald hat eine stimmungsaufhellende und antidepressive Wirkung. Das konnte auch statistisch für therapeutische Interventionen belegt werden, die im Wald durchgeführt werden. 

Stärkere psychische Effekte im Herbst

Warum hat ein Besuch im Wald im Herbst stärkere Effekte? Und warum hat ein Besuch im Laubwald stärkere psychische Wirkungen als der im Nadelwald? Wissenschaftliche Untersuchungen machen vor allem drei Faktoren für mehr Erholung verantwortlich:

  • Das Herbstlaub, die sog. Foliage oder bei uns hier ‚Indian Summer‘ genannt setzt sich aus Farbtönen in gelb, orange und rot zusammen, die nachweislich stimmungsaufhellende und angstlösende Wirkung haben. Nadelwälder hingegen sind eher monoton von der Farbpalette in dunklen Grüntönen. Ein Aufenthalt im Laubwald kann Stresshormone wie das Cortisol daher noch effektiver senken.
  • Bäume kommunizieren miteinander und zwar über Terpene, das sind biochemische Botenstoffe. Diese Stoffe, die die Killerzellen des Körpers erhöhen und damit unser Immunsystem stärken, sind in Wäldern, die vornehmlich aus Laubmischwald bestehen, besonders hoch.
  • Im Herbstwald gehen wir über das raschelnde trockene Laub und riechen den intensiven und erdigen Geruch des feuchten Waldbodens. Dieser wird durch spezielle Bodenbakterien wie sog. Actinomyceten verursacht. Diese sensorische Anregung führt ebenfalls zur Aktivierung unseres Parasympathikus, also des Ruhenervs. Dadurch können wir tiefer entspannen, der Blutdruck wird gesenkt und unsere Herzfrequenz verlangsamt isch.
 

Meine Empfehlung:

Raus in den Wald und den Herbst genießen! Plane eine Zeit für Dich ein, in der Du Dich (alleine oder in Begleitung) ganz bewusst auf den Wald einlässt und Dich mit Deinen Sinnen – sehen, hören, riechen und fühlen vom Laub unter Deinen Füßen und vielleicht auch von Baumrinde oder Moos – mit der Natur verbindest.