Sie ist Gift – Buchtipp: No way home von T. C. Boyle

Toxische Beziehung und Love Bombing sind Begriffe, unter denen sich heute jeder etwas vorstellen kann und die teilweise auch inflationär benutzt werden. In seinem aktuellen Buch ‚No way home‘ widmet sich der US-amerikanische Kultautor T. C. Boyle genau dieser Thematik. 

Eifersucht, Macht, Gewalt und Abhängigkeit – wie die obessive Dreiecksgeschichte eskaliert

Terry, ein junger Mann und Arzt in Los Angeles, fährt nach dem Tod seiner Mutter in deren Heimatort nach Boulder City im verschlafenen Nevada, um dort ihr Haus zu verkaufen. Zufällig begegnet er der jungen Bethany und verfällt ihr. Aber es ist nicht nur die Beziehung von Terry und Bethany, die von einer unheilvollen Dynamik getrieben wird, sondern es taucht bald noch eine weitere Person auf, Bethanys Ex-Freund Jesse, und so eskaliert die obessive Dreiecksgeschichte zunehmend. 

No way home – nicht Boyles bestes Buch

Ich habe fast alle Bücher von T. C. Boyle gelesen, der zu den renommiertesten Gegenwartsautoren der USA gehört. Er gilt als ‚Popstar der Literatur‘, hat einen unverwechselbaren Stil, oftmals geprägt von zynischem und tragikomischem Humor. Boyle schreibt in anderen Werken über große Themen wie Klimawandel und Öko-Aktivismus, über illegale Einwanderung und Hippie-Kultur und seziert dabei häufig die Abgründe der menschlichen Natur. ‚No way home‘ fehlt es an Tiefe und Komplexität, da sich Boyle fast ausschließlich auf die dysfunktionale Dreiecksbeziehung konzentriert. Wer sich aber gerade dafür interessiert, für den ist es interessant zu lesen, wie sich toxische Dynamiken entwickeln können, wo doch am Anfang noch alles so hoffungsvoll erscheint.

T. C. Boyles Debutroman ‚Wassermusik‘ – der unerreichte Klassiker

Für mich unerreicht bleibt übrigens sein 1987 in Deutschland zum ersten Mal erschienenes Werk und gleichzeitig sein Debutroman ‚Wassermusik‘ über den schottischen Entdecker Mungo Park. Dieser bricht Ende des 18. Jahrhunderts auf, um den afrikanischen Fluss Niger zu erforschen. Parallel dazu wird die Geschichte von dem im Londoner Untergrund lebenden Gauner Ned Rise erzählt. Und dann kreuzen sich die Wege der beiden Protagonisten im Rahmen einer fatalen weiteren Expedition und auch hier nimmt das Schicksal seinen Lauf.

Knapp 600 Seiten pure Spannung und Unterhaltung, wie schade, dass man auch dieses Buch irgendwann ausgelesen hat.