‚Aus Fehlern lernt man‘ ist eine Weisheit, die uns schon unsere Eltern beigebracht haben. Und ja, aus einem Misserfolg können wir Lehren ziehen, um es beim nächsten Mal besser zu machen, etwa bei einer verpatzten Prüfung. Fehler können uns also darauf hinweisen, wie es besser geht. Fehler können uns auch stärken, weil wir feststellen, dass wir das Scheitern überstehen oder sogar überleben können.
Scheitern ist nicht grundsätzlich etwas Gutes
Aber Scheitern ist nicht grundsätzlich etwas Gutes. Denn Wunden und Verletzungen, z.B. wenn eine Beziehung kaputt geht, könnenn ebenso tiefe Risse im Selbstwertgefühl hinterlassen. Mit der Folge, sich nicht mehr zu trauen, es noch einmal zu versuchen. Dann ist Scheitern nicht der Königsweg, der uns stärker macht, sondern es geht darum, unsere Schutzmuster wie Rückzüglichkeit genauer zu betrachten und sich zu fragen: Was ist der Vorteil, wenn ich nun gar nicht mehr ‚aus der Deckung‘ komme bzw. was opfere ich dafür. Prüfungsangst, Versagensängste und Angst vor Nähe, das sind oft Anliegen, mit denen Klientinnen und Klienten zu mir kommen. Manche reden es sich dann auch schön, der Mensch, der sie verlassen hat, war es sowieso nicht wert oder ‚besser alleine als in schlechter Gesellschaft.‘ Und nicht wenige Scheitern entgültig an Prüfungen, nicht weil sie nicht genug wissen, sondern weil sich die Angst dann so weit aufgetürmt hat, dass die Angst vor der Angst das Lernen oder den Gang zur Prüfung unmöglich machen.
Annehmen, verstehen und gestalten ermöglichen emotionales Wachstum und mehr Lebensqualität
Damit das nicht passiert, lohnt es sich, einmal zu reflektieren: Was ist mir da gerade passiert?
Und den Schmerz bzw. die
Angst oder das beschädigte Selbstwertgefühl erstmal anzunehmen. Und im nächsten Schritt das Geschehene zu analysieren: Welche Faktoren haben dazu beigetragen, dass sich meine Situation so entwickelt hat? Habe ich zu wenig gelernt? War ich unachtsam oder gar verletzend in der Beziehung? Wieviel Einfluss habe und hatte ich auf die Situation? Die Annahme der schmerzhaften Verfassung oder der Angst ist für viele erstmal bedrohlich. Aber sie ist die einzige Chance, zum einen zu verstehen, was passiert ist und zum anderen Konsequenzen daraus zu ziehen, die gleichzeitig Wachstum statt Stillstand ermöglichen. Und wenn man das weiß, kann man handeln. Natürlich haben wir nicht über alles im Leben die Kontrolle, aber wir haben unseren Teil zur Gestaltung un den können wir nutzen, damit es beim nächsten Mal besser läuft, sowohl in der Prüfung als auch in der Beziehung.