Trauerstörung und Depression: Was ist der Unterschied?

Häufig wird durch den Verlust einer nahestehenden Person eine tiefe Krise ausgelöst, die zu schweren Belastungen im Alltag, bei der Arbeit sowie in Beziehungen führen kann. Diese wurde in den letzten Jahren aus psychotherapeutischer Sicht nicht eigenständig als solche definiert, sondern oftmals als Depression. Hierfür wurde nun in der neuen Ausführung des Grundlagenwerks zur Bestimmung von psychologischen Störungen (ISM und ICD) eine eigene Kategorie eingeführt: die anhaltende Trauerstörung. Es ist ganz wichtig, die anhaltende Trauerstörung und die Depression voneinander zu trennen, da eine diagnostizierte Depression im tatsächlich vorliegenden Fall einer anhaltenden Trauerstörung oftmals zu einer falschen, nicht erfolgreichen Behandlung führen kann.

Bei der anhaltenden Trauerstörung steht die verstorbene Person im Fokus des Leidens

Das ist der erste und ein entscheidender Unterschied. Bei einer Depression ist die allgemeine Weltsicht sehr negativ, genauso wie der Blick auf die Zukunft. Bei der anhaltenden Trauerstörung hingegen kreisen die Gedanken um die Person, die die oder der Betroffene verloren hat. Gefühle wie das Vermissen dieser Person nicht aushalten zu können drücken sich nicht selten in einem intensiven sich Sehnen und körperlichem Herzschmerz aus. Bei der Depression herrschen Leere und Freudlosigkeit vor und diese beziehen sich auf das Leben allgemein – etwas mit einem Gefühl von Wertlosigkeit oder mit Selbstvorwürfen. Die Identität ist damit mehr oder weniger massiv beschädigt.

Bei der anhaltenden Trauerstörung ist das Selbstwertgefühl intakt

Bei der anhaltenden Trauerstörung aber ist das Selbstwertgefühl weitgehend intakt, nur dass sich die trauernde Person ohne die andere unvollständig fühlt. Bei einer Trauerstörung kommen die Gefühle in Wellen, aber es sind immer auch positive Momente möglich. Eben, wenn man an den oder die Verstorbene denkt oder wenn man durchaus Momente genießen kann, und seien diese noch so klein.

Trauer ist ein Prozess, der in kleinen Schritten bearbeitet werden kann

Traurigkeit, Rückzug und Schlafprobleme müssen also bei Menschen, die jemanden verloren haben nicht zwangsläufig auf eine Depression hinweisen. Im Gespräch wird das schnell deutlich. Und Anti-Depressiva, die gegen Depressionen verschrieben werden, wirken häufig nicht. Trauer ist ein Prozess, der (je nach Erklärungsmodell) durch Phasen wie Verleugnung, Wut und Traurigkeit, aber auch durch Reflexion und gedankliche Umstrukturierung und letztlich durch Integration des verlorenen Menschen (ich bin, er oder sie ist Teil meiner Geschichte, aber er oder sie IST jetzt nicht mehr) verarbeitet werden. Kommen Verbitterung, emotionale Taubheit, massive Schuldgefühle hinzu und die betroffene Person ist nicht mehr in der Lage, ihren Alltag zu bewältigen, dann sind Hilfsangebote und professionelle Unterstützung wichtig. Zu den Optionen und wie diese behandelt wrden kann lies auch meinen Artikel zur anhaltenden Trauerstörung.