Amour fou – wenn Liebe zur Qual wird und Du trotzdem nicht loslassen kannst

Beziehungen beginnen häufig mit einen Feuerwerk des Verliebtseins, die Hormone spielen verrückt und die geistige Zurechnungsfähigkeit lässt von außen betrachtet manchmal zu wünschen übrig. Das ist ganz normal und schafft Partnern die Möglichkeit, sich näher zu kommen, Nähe und Bindung in der Partnerschaft zu entwickeln. Das Verliebtsein geht irgendwann in Liebe und Stabilität über. So sollte Dich eine Beziehung auf Dauer glücklich oder zumindest zufrieden machen, Dir Sicherheit und Stärke geben und Dir nicht weh tun.

Amour fou oder verhängnisvolle Liebe

Der Begriff „amour fou“ kommt aus dem Französischen und bedeutet soviel wie eine verhängnisvolle leidenschaftliche, rasende Liebe. Bei einer Amour fou überwiegt irgendwann der Schmerz und trotzdem gelingt Dir der Absprung nicht. Dies erscheint zunächst und auch von außen betrachtet widersinnig, dennoch gibt es Erklärungen dafür, dass es manchen Menschen nicht einfach gelingt zu gehen. Oftmals fühlt es sich zu Beginn so an, als ob der Schlüssel ins Schloss passt und oft höre ich als Therapeutin Aussagen wie „so habe ich noch nie geliebt“ oder die Liebe ist (insbesondere in Zeiten der Abwesenheit des Partners) so stark, dass es körperlich schmerzt. Konflikte sind häufig mit Kontaktabbrüchen verbunden und die fühlen sich an wie kalter Entzug, die Wiederherstellung der Verbindung dementsprechend wie der Konsum einer Droge. Auffällig ist, dass in solchen Beziehungen wenig Normalität und Alltag gelebt werden kann. Den leidvollen Gefühlen gegenüber stehen das Rauschhafte und das Besondere, das Einzigartige.

Was macht toxische Beziehungen aus?

Toxische Beziehungen vermitteln den beteiligten Partnern keine Stabilität. Sie werden nicht als verlässlich erlebt. Vielmehr sind sie von Ambivalenzen geprägt, das bedeutet, dass man sich mal als sehr nah und zusammengehörig erlebt, dann aber wieder als verloren und einsam. Dieses Wechselbad der Gefühle ist mit der  Hoffnung verbunden, dass es irgendwann mal gut wird. Seine Partnerschaft so zu erleben hat zum einen mit der eigenen psychischen Struktur zu tun. Viele Menschen haben ähnliche Beziehungsmuster bereits sind ihrer Kindheit erlebt, z.B. Mütter, die ihnen kein kontinuierliches Gefühl von Verlässlichkeit vermitteln konnten oder absente Väter. Auch vergangene Partnerschaften, in denen z.B. der Partner häufig fremd ging vermitteln Unsicherheit, genauso wie Fehlschläge im Beruf. Ebenso entwickeln Menschen mit narzisstischen Persönlichkeitsstrukturen in Beziehungen eine Nähe-Distanz-Problematik. So können sie im einen Augenblick extrem charmant, aufmerksam und zugewandt sein, im anderen abweisend, kalt und verletzend. Der andere Partner weiß nie, woran er gerade ist. Oft führen Unsicherheiten zum Kampf innerhalb der Beziehung, beide suchen Verlässlichkeit und erfahren das Gegenteil. In der Hoffnung darauf, dass es anders wird neigen sie dazu, sich an die wenigen positiven Momente zu klammern.

Was kannst Du tun, wenn Du in einer Amour fou steckst?

  • Versuche zu ergründen, was Dir an Deiner Beziehung besonders wertvoll ist, z.B. Berührungen und körperliche Nähe, Sex, gemeinsame Freizeitaktivitäten oder eher intellektueller Austausch?
  • Werden Deine wesentlichen Bedürfnisse wie z.B. Nähe und Verlässlichkeit dauerhaft erfüllt?
  • Fragen Dich, inwieweit Du Dir selbst und Deinen Werten in der Beziehung treu bleiben, also letztlich Du selbst bleiben kannst (Selbstwertgefühl).
  • Wäg ab, wie viel Dir das Positive, dass Ihr gemeinsam erlebt wert ist bzw. ob es Dir reicht.
  • Versuche, für Dich zu sein und in Dich hineinzuspüren. Wie geht es Dir mit Dir selbst? Brauchst Du den anderen wie die Luft zum atmen oder kannst Du auch gut für Dich sein, Dich selbst gut versorgen?
  • Wenn Du Dich durch das Verhalten Deines Partners verletzt fühlst, schreib die Pros und Cons auf, wäge ab, ob Du mit diesen Verletzungen leben kannst bzw. willst.
  • Sprich mit Freunden oder lassen Dich professionell beraten, um Dein Verhalten jenseits Deiner starken Gefühle reflektieren und einordnen zu können.
  • Ob Du Dich trennen willst oder nicht, finde Dich selbst und tun die Dinge, die Dir Freude bereiten.