Pflege und Tod der Eltern

Irgendwann ist es soweit: unsere Eltern werden alt. Und viele von ihnen sind zudem aufgrund von Krankheit oder Schwäche pflegebedürftig. Nun stellt sich die Frage, wie sie die letzten Lebensjahre verbringen wollen und können. Viele Angehörige entscheiden sich, ihre Eltern zu pflegen. Sie nehmen diese in ihrer Wohnung auf, ziehen zu ihnen oder wohnen in unmittelbarer Nähe des zu versorgenden Elternteils. Sie unterstützen ihre Eltern bei alltäglichen Verrichtungen und im Haushalt oder auch bei Einkäufen und Behördengängen. Manche Angehörige kümmern sich alleine um die Eltern, andere werden von Pflegediensten unterstützt.

Motive für die Übernahme der Pflege
Frau pflegt Mutter im Rollstuhl liest ihr Buch vor midlife coachingDie Beweggründe für die Übernahme der Pflege können vielfältig sein. Für manche erwachsene Kinder sind Liebe und Zuneigung die Motivation. Sie können sich nicht vorstellen, dass ihre Eltern abseits der Familie leben und sterben. Andere tun dies eher aus Pflichtgefühl, aus monetären Gründen oder auch, weil sie von ihren Eltern z.B. finanziell abhängig sind.

Frauen und Pflege
Zu 75 Prozent sind die pflegenden Personen Frauen wie z.B. die Ehefrau, die Tochter oder Schwiegertochter. Dies wird häufig von den (männlichen) Verwandten erwartet und stellt für die pflegenden Personen eine große psychische Belastung dar, zumal die eigenen Kinder häufig noch nicht aus dem Haus und die Frauen erwerbstätig sind. Es handelt sich hierbei um einen klassischen Fall von Mehrfachbelastung.

Pflege und Burnout
Eine Umfrage des Instituts Forsa (für die TK, 2009) hat ermittelt, dass sich viele pflegende Angehörige körperlich wie seelisch überlastet fühlen und jeder Zweite gab an, dass ihn die Pflegebelastung an den Rand eines Burnouts bringt. Durch die seelische Belastung, die Eltern leiden oder sterben zu sehen und die körperliche Belastung bei der Verrichtung der täglichen Pflege geraten die eigenen Probleme der Pflegenden häufig in den Hintergrund. Es bleibt kaum Freiraum für die Wahrnehmung der eigenen Bedürfnisse und die Gestaltung einer funktionierenden Beziehung oder für die Freunde. Reizbarkeit und Erschöpfung führen nicht selten zu psychosomatischen Erkrankungen. Etwa ein Drittel der pflegenden Angehörigen wird aufgrund der Pflegebelastung selbst krank. Orthopädische Krankheiten (aufgrund des Hebens, Bettens und Umlagerns), Schlafstörungen und Depressionen bis hin zum Burnout werden häufig diagnostiziert. Die Belasteten sehen für sich keine Erholungsmöglichkeiten mehr, statt dessen steigern sie zur vermeindlichen Entlastung ihr Risikoverhalten (z.B. durch Nikotin-, Alkohol- und Tablettenkonsum). Oft können sie sich erst wieder sich selbst zuwenden, wenn der Angehörige gestorben ist.

Tochter pflegt Mutter gemeinsam lachend in der Natur midlife coachingWas können Pflegende für sich tun?
Für die Pflegenden gilt es, die eigenen Bedürfnisse nicht aus dem Blick zu verlieren, und dies möglichst von Anfang an und nicht erst nach Jahren in der belastenden Situation. So kann es den Pflegenden gelingen, ihr eigenes Leben mit der Pflege der Eltern in Einklang zu bringen – zur Zufriedenheit aller Beteiligten, denn unter der Krankheit einer pflegenden Person leidet wiederum auch die zu pflegende Person sowie das gesamte Umfeld. Lassen Sie es nicht soweit kommen, kümmern Sie sich zuerst um sich selbst!

Checkliste für pflegende Angehörigen

  • Wie ist die Pflege für Ihre/n Angehörige/n organisiert?
  • Wer gehört zum Hilfesystem? Wie sind die Aufgaben verteilt?
  • Können Sie Ihre eigenen Bedürfnisse wahrnehmen?
  • Können Sie Anderen Grenzen setzen?
  • Wieviel Freiraum bleibt Ihnen selbst?
  • Wie sind Sie es persönlich gewohnt, Stress zu bewältigen?
  • Wie beurteilen Sie Ihre körperliche Gesundheit?
  • Inwieweit stehen körperliche Probleme mit der Pflegetätigkeit in Zusammenhang)?
  • Haben Sie jemand, mit dem Sie über Ihre Probleme sprechen können (Freunde, Familie, Selbsthilfegruppe, coaching)?

Tod der Eltern
Rosa Blumen auf einem hellen Grabstein Tod der Eltern und TrauerDer Tod von Mutter und Vater stellt eine einschneidende Lebenserfahrung dar. Denn die meisten Menschen wachsen bei ihren Eltern auf und gehen auch als Erwachsene im Bewusstsein durchs Leben, Eltern zu haben. Wenn die alten Eltern sterben ist das zwar einerseits der Lauf der Dinge. Andererseits geht nun zumindest faktisch ein elementarer Teil des Lebens verloren. Wie und wie sehr man trauert, ist nicht nur von der eigenen Persönlichkeit sondern auch von der Beziehung, die man zu Vater und Mutter pflegte und der Art und Weise, wie diese aus dem Leben scheiden abhängig. Manche haben Zeit ihre Eltern zu begleiten und sich zu verabschieden, andere nicht.

Für viele Menschen hilfreich ist jetzt ein funktionierendes soziales Netzwerk, Familie und Freunde, die einen auffangen. Andere ziehen sich eher zurück und brauchen viel Zeit für sich selbst. Gerade wenn es Konflikte in der Beziehung zu Vater oder Mutter gab, kommen diese oft noch einmal in Bewegung. Wieviel Zeit man selbst für die Trauer um die verstorbenen Eltern benötigt, ist höchst individuell. Wenn Sie an den Punkt kommen, über den Verlust zu verzweifeln und es Ihnen immer weniger gelingt, Ihren Alltag zu regeln und ihren Freunden nicht zum xten Mal dasselbe erzählen möchten, kann ein professionelles Coaching zur Bewältigung Ihrer Trauer hilfreich sein.